Im Juni wurden die Aktienmärkte auch weiterhin durch Risikoscheu belastet, weil sich die Besorgnisse um eine mögliche „doppelte Talsohle“ beim globalen Wachstum intensivierten. Im Laufe des Quartals verzeichnete lediglich eine Handvoll Unternehmen in US-Dollar gerechnet positive Erträge, und fast alle diese Firmen stammen aus der Türkei. Dieser Markt wird weiterhin durch rege Aktivitäten im Privatsektor sowie eine kräftige Binnennachfrage nach Krediten gestützt. Am schlechtesten entwickelte sich hingegen Ungarn, nachdem die Konservativen, die die jüngste Wahl für sich entschieden hatten, erklärt hatten, dass das Haushaltsdefizit deutlich über den Erwartungen des Marktes liegt. Diese Aussagen waren jedoch übertrieben und dienten lediglich als Rechtfertigung für - insbesondere im Bankensektor - anstehende Steuererhöhungen. Dadurch weiteten sich die Zinsdifferenzen ungarischer Staatsanleihen (derzeit in etwa auf demselben Niveau wie portugiesische Staatspapiere) aber beträchtlich aus, wodurch auch die Kreditkosten stark anstiegen.
Im Rohstoffsektor sind wir positiv gegenüber Energieunternehmen, die wohl als vorrangige Finanzierungsquelle für die leeren Staatskassen herhalten müssen. Im Allgemeinen bevorzugen wir Firmen aus dem Segment Metalle und Bergbau. Allerdings ist die anhaltende Korrekturphase in der Rohstoffbranche derzeit extrem ausgeprägt. Da die entsprechenden Aktien den zugrunde liegenden Rohstoffen jedoch einen großen Schritt voraus sind, werden sich in diesem Sektor zweifellos Anlagechancen eröffnen.
Die Aktienmärkte der europäischen Schwellenländer werden auch weiterhin durch eine solide Wirtschaftspolitik, eine angemessene Finanzierung des Wachstums sowie günstige Bewertungen gestützt. Auf kurze Sicht haben die Indikatoren zu den globalen Wirtschaftsaktivitäten, die momentan ihren Zenit erreichen, sowie die Besorgnisse um das Staatsanleihenrisiko in den Industrienationen aber einen allgemeinen Abbau von Risikopositionen ausgelöst, der die positiven lokalen Entwicklungen innerhalb der Region wieder deutlich ins negative Terrain drückt. Wir sind jedoch der Meinung, dass die viel versprechenden Anzeichen von den Anlegern mittelfristig nicht übersehen werden. So sind die Renditen von Staatsanleihen nach wie vor niedrig und Euro-Anleihen heiß begehrt. Derweil ist es Polen (sowie in geringerem Maße auch der Türkei) gelungen, einen Großteil der staatlichen Beteiligungen an Versorgungsunternehmen zu veräußern. Dadurch steigen nicht nur die staatlichen Haushaltsreserven an, sondern dies spricht auch dafür, dass die Firmen über ein hohes Selbstfinanzierungspotenzial verfügen. So ist die Börse in Warschau zurzeit der mit Abstand erfolgreichste Markt für Aktienemissionen in Europa. Die Börse selbst beispielsweise wird wahrscheinlich im Rahmen eines Börsengangs, der für den weiteren Verlauf dieses Jahres geplant ist, privatisiert werden.
Russland - Steuererhöhungen im Rohstoffsektor belasten die Märkte
Trotz eines Wirtschaftswachstums sowie einer sich beschleunigenden Erholungstendenz verloren die russischen Aktienmärkte im vergangenen Monat an Boden. Aktien aus dem Ölsektor wurden besonders von der erneuten Einführung einer Exportabgabe, die ab Juli 2010 auf Öl aus den ostsibirischen Ölfeldern erhoben wird, beeinträchtigt. Diese Entwicklung ist nur eine in einer Reihe von Ereignissen, aus denen eindeutig die Intention der russischen Regierung hervorgeht, den Staatshaushalt verstärkt über Einnahmen aus dem Öl- und Erdgassektor zu finanzieren, da die Sozialausgaben sowie die Gehälter im öffentlichen Sektor derzeit rasant ansteigen.
In der Rohstoffbranche bevorzugen wir derzeit Grundstoffwerte gegenüber öl- und Erdgasfirmen, weil die aktuelle Haushaltspolitik darauf hindeutet, dass die Steuerbelastung im Energiesektor steigen wird und dadurch die Cashflows belasten werden. Allerdings können die positiven Anzeichen nicht ignoriert werden: So sind die Renditen von Staatsanleihen nach wie vor niedrig und Euro-Anleihen heiß begehrt.
Ein solides Wirtschaftsumfeld, eine angemessene Finanzierung sowie ein sehr attraktives Bewertungsniveau werden dem russischen Aktienmarkt zukünftig zugute kommen. Allerdings spricht der jüngste Trend von Steuererhöhungen im Rohstoffsektor dafür, dass die russische Regierung die Rohstoffbranche als Hauptfinanzierungsquelle für die Staatsfinanzen betrachtet. Dadurch könnte das Vertrauen der Anleger in das Potenzial russischer öltitel zur Erwirtschaftung eines Cashflows belastet werden.
Osteuropäische Barings Fonds
Barings Fonds aus der osteuropäischen Assetklasse (Morningstar Sterne per: 30. Juni 2010, Performance in Euro, annualisiert)
FACT SHEETS:
Baring Russia Fund
Baring Eastern Europe Fund
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