EDUARD POMERANZ: Es ist gar nichts Geheimes daran. Managed Futures sind in der Regel Trendfolger. Das bedeutet: Der typische Fonds steigt in Richtung eines bereits bestehenden Markttrends ein und profitiert, wenn sich dieser fortsetzt. Je länger und je stärker, desto besser. Ob nach oben oder unten ist egal. Nachdem Märkte immer wieder verwertbare Trends ausbilden, ist das Konzept der Trendfolger langfristig erfolgreich. Freilich soll man auch ihre Schwächen nicht verschweigen. Insbesondere muss immer wieder mit Rückschlägen gerechnet werden, die durchaus zu längeren Durststrecken ausarten können. Man sollte in Managed Futures also immer mit einem entsprechend langfristigen Anlagehorizont investieren.
Die Branche kann die Gebetsmühle nicht oft genug drehen, der Blick zurück auf die vergangenen Jahrzehnte zeigte während Finanzkrisen stets einen fulminanten Abstand zur Performance von Aktien & Co. Sprich, Managed Futures gehören bei Auf UND Abs der Märkte unverzichtbar in ein ausgewogenes Depot. In wenigen Worten, aus welchen Punkten besteht deren Überlegenheit?
E. P.: Erstens die extrem breite Diversifikation – und zwar nicht nur über alle Asset-Klassen hinweg, sondern meist auch über unterschiedliche Strategien. Zweitens der strikt systematische, durch Forschung und Entwicklung getriebene Ansatz. Drittens das verlässliche Profil: sehr große Chance auf überdurchschnittliche Profite, wenn sich traditionelle Assets – insbesondere Aktien – in ausgeprägten Auf- oder Abwärtszyklen befinden.
Mit welchem Anteil sollten kluge Köpfe Trendfolger ins Portfolio packen – speziell und vor allem, wenn der Abwärtsstrudel noch dramatischer kreisen wird?
E. P.: Wenn man in Managed Futures erst investiert, nachdem die Börsen schon kräftig gefallen sind, ist das eigentlich der falsche Ansatz. Sie schließen ja eine Feuerversicherung auch am besten dann ab, wenn es noch nicht brennt. Ich empfehle daher, Managed Futures zu jedem Zeitpunkt im Portfolio zu haben. Ihr Anteil sollte davon abhängig gemacht werden, wie die restliche Risikostruktur im Depot aussieht. Als Faustregel könnte man davon ausgehen, dass der Managed Futures-Anteil in etwa gleich gewichtet wird wie der Aktienanteil.
Und wie schaut’s mit der Behaltedauer aus, schließlich weisen die Fonds satte Volatilitäten auf. 2010 waren durchaus Abstürze von 20 Prozent und mehr zu beobachten. Da muss man schon Nerven mitbringen – siehe oben. Wie sind solche Schwankungsbreiten zu erklären?
E. P.: Ohne Risiko gibt es keine Rendite über dem risikolosen Zinssatz. Jedem, der Ihnen etwas anderes erzählt, sollten Sie lieber aus dem Weg gehen. Trendfolge ist insofern eine sehr ehrliche Strategie – sie versteckt das mit ihr verbundene Risiko nämlich nicht, sondern zeigt es in Form von Volatilität. Es gibt andere Alternative Investment- Stile, die auf den ersten Blick so aussehen, als hätten sie ähnliche Renditen bei viel weniger Risiko. Die stellen sich dann entweder als Betrug heraus, wie das System Madoff, oder sie haben extreme Risiken eingebaut, die nur sehr selten schlagend werden. Managed Futures sind dagegen eben sehr transparent. Wer einen Anlagehorizont von wenigstens drei, besser aber fünf oder mehr Jahren hat und einen guten Manager wählt, hat eine sehr hohe Chance, positiv auszusteigen.
Managed was?, die wenigsten Akteure auf dem Retail-Markt kennen die Rendite-Pusher. Woran liegt das? Trommeln die Anbieter zu leise, dümpelt der Wissensstand der Finanzdienstleister? Oder sollten österreichische – bekanntermaßen höchst vorsichtige – Privatsparer einen Bogen um solche Produkte machen? Schließlich gilt der Diversifikations-Aspekt auch hier.
E. P.: Zunächst: Wir trommeln nicht. Weder laut noch leise. Unser Job besteht darin, ein robustes Risiko-/Rendite-Profil zu liefern und ich glaube, dass wir den auch ganz gut erfüllen. Das wissen die meisten Profis durchaus – auch jene in der Finanzberater-Branche. Das durchschnittliche Portfolio des österreichischen Privatanlegers ist dennoch ungenügend diversifiziert, besteht in der Regel aus zu wenigen zu ähnlichen Assets und enthält tatsächlich meist keine Managed Futures. Ich führe das auf einen insgesamt geringen Wissensstand über Finanzanlagen zurück. „Finanz-Bildung“ sollte schon in der Grundschule beginnen.
Greifen jene dennoch zu, findet man mittlerweile in verschiedenen Kategorien immer mehr Investments, sprich Einzelfonds, Dachfonds, ETFs und Zertifikate, ob mit oder ohne Garantie. Wer nimmt was, und wo liegen jeweils die Vor- und Nachteile?
E. P.: Man sollte sich vielleicht weniger mit Verpackungsfragen beschäftigen. In erster Linie würde ich mir überlegen, welches Exposure bzw. welches Risiko ich im Portfolio habe, ob ich dieses Risiko auch tatsächlich aushalten und ob ich es vielleicht durch weitere Anlagen absichern kann. Danach würde ich mir ansehen, ob ein bestimmter Manager zu meinen Ansprüchen passt oder ob ich lieber das pure Marktrisiko in Form eines passiven Instruments haben will. Ganz zum Schluss kann ich mir dann überlegen, ob ich mein Risiko lieber als Fonds oder strukturierte Anleihe oder was auch immer verpackt haben will.
Drum prüfe, wer sich lange bindet: Welche Kriterien sind unbedingt zu prüfen, bevor man sich für den Anbieter seines Vertrauens entscheidet?
E. P.: Die Historie, die Nachvollziehbarkeit des Anlageprozesses und die saubere Rechtskonstruktion sowie eine gesunde Portion Skepsis gegenüber allem, was zu gut klingt, um wahr zu sein.
Während beispielsweise der FTC Futures Classic im zurückliegenden 5-Jahres-Fenster mit 56,2 Prozent regelrecht abhob, gab’s auf dem Markt auch Fonds, deren Erträge satt zweistellig abstürzten. Was machten Ihre Programmierprofis anders und besser?
E. P.: Lassen wir die Kirche im Dorf. Wir hatten auch schon stärkere 5-Jahres-Fenster, aber auch schlechtere. Solche, in denen wir gegenüber manchen Mitbewerbern großartig ausgesehen haben und andere, in denen das Gegenteil der Fall war. Der Grund dafür ist ganz einfach: Das eine unschlagbare Handelssystem, das in allen Phasen den anderen überlegen ist, existiert genauso wenig wie der Heilige Gral. Wir machen einfach jeden Tag unsere Hausaufgaben und versuchen, laufend an der Spitze mitzuhalten. Das ist schon schwierig genug – man muss dafür ganz schön schnell sein und hart arbeiten.
Dieses Interview von Thomas Riemer erschien im Magazin "Fonds exklusiv".