Doch diese als Fracking bezeichnete Methode verschlingt nicht nur enorme Wassermengen, sondern droht auch das Grundwasser zu vergiften. Denn bei der Gasförderung werden neben Wasser auch Chemikalien ins Erdreich gepresst. Gefragt sind künftig neben Wasserversorgern also auch Unternehmen, die Wasser aufbereiten und rein halten. Wo sich in diesem Umfeld Chancen für Nachhaltigkeitsinvestoren ergeben, erläutert Jan Peterhans im aktuellen Themendienst.
Drei Fragen an: Jan Peterhans, Head of SRI bei UBS Global Asset Management
Herr Peterhans, sind Schiefergasbohrungen für Nachhaltigkeits-Anleger ein Thema?
Peterhans: Durch den hohen Ölpreis und die Suche nach Alternativen zur Energiegewinnung gewinnt diese Technologie zunehmend an Bedeutung. Nicht nur, aber vor allem in den USA. Viele große Industriefirmen investieren in diesem Bereich. Als ein an nachhaltiger Entwicklung interessierter Investor bin ich beim Thema Schiefergas-Abbau zunächst skeptisch. Denn das so genannte Fracking verbraucht nicht nur viel Wasser, sondern droht es auch im Umfeld der Bohrungen zu verschmutzen. Unternehmen, die sich beim Abbau engagieren, berücksichtigen wir in unserem Fonds nicht. Je mehr die gesundheitsschädlichen Folgen aber absehbar und belegt sind, desto stärker dürfte diese Fördermethode reguliert werden. Gefragt sind dann vor allem Unternehmen, die Ausrüstungen zum Filtern von Wasser bereitstellen und somit das Grundwasser sauber halten. Hier sehe ich viele Investmentmöglichkeiten, insbesondere bei kleinen und innovativen Unternehmen aus den USA und Europa, die sich dem Auf- und Ausbau entsprechender Technologien widmen.
Inwiefern könnte sich das auszahlen?
Peterhans: Die für den Wassersektor geltende Benchmark, der S&P Global Water Index, hat in sieben der letzten neun Jahre besser abgeschnitten als der MSCI World Index, der die Kursentwicklung an den internationalen Aktienmärkten widerspiegelt. Auch in Zukunft erwarten wir eine mittlere einstellige Outperformance für die Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette des Wassers. Anleger sollten aber bedenken, dass das wasserbezogene Anlageuniversum aus eher kleinen und mittelgroßen Unternehmen besteht, deren Kurse stärker schwanken können. Dieses Risiko lässt sich am besten durch ein gut diversifiziertes Anlageinstrument ausbalancieren.
Für welche Unternehmen sehen Sie das größte Potenzial?
Peterhans: Steigende Kurse sehe ich speziell für Wasserversorger und Unternehmen, die sich mit Entsalzung, Bewässerung, Messwesen oder Pumpen beschäftigen. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens dürften sie am stärksten von zu erwartenden schärferen Vorschriften für die sich ausbreitenden Schiefergasbohrungen profitieren – beispielsweise wenn das für diesen Vorgang genutzte Wasser gefiltert werden muss. Zweitens notieren diese Unternehmen aktuell unter ihren historischen Durchschnitten. Sie haben nach den allgemeinen Verlusten an den internationalen Aktienmärkten also etwas aufzuholen.
Über den Interviewpartner: Jan Peterhans ist Head of SRI bei UBS Global Asset Management und als Portfolio- Manager verantwortlich für den UBS (Lux) Equity Fund – Global Innovators.
Hintergrund – Wasserreinhaltung wird wichtiger, um den steigenden Bedarf an guter Wasserqualität zu decken
Mit der wachsenden Weltbevölkerung, dem technologischen Fortschritt und einem höheren Lebensstand steigt der Bedarf an sauberem Wasser. Die UNO schätzt, dass es bis 2025 acht Milliarden Menschen gibt. Immer mehr vor ihnen leben schon heute in immer größeren Städten. Diese Urbanisierung und die mittlerweile auch in den Schwellenländern fortschreitende Industrialisierung sorgen nicht nur für einen höheren Wasserverbrauch, sondern belasten vielerorts auch die Wasserqualität. Die Wasservorräte aber sind begrenzt – eine höhere Nachfrage trifft bestenfalls auf ein konstantes Angebot. Hinzu kommt eine ungleiche Verteilung der Wasserressourcen: Neun Länder verfügen über 60 Prozent der Frischwasservorkommen. 2030 werden nach OECD-Schätzungen 3,9 Milliarden Menschen in Gegenden mit akutem Wassermangel leben. Durch alte und undichte Leitungssysteme kommt es immer wieder zu Wasserverlusten. Auch der Klimawandel stellt die Wasserversorgung vor neue Herausforderungen. In einigen Regionen kommt es zu Überschwemmungen, während Gegenden mit geringen Niederschlägen mit Dürre zu kämpfen haben.
Wussten Sie schon, …?
... dass nur 0,75 Prozent des Wassers auf der Erde unmittelbar zum Leben genutzt werden kann? Nur drei Prozent der Wasservorkommen bestehen aus Süßwasser, von denen wiederum mehr als 2/3 in Gletschern und gefrorenen Eiskappen gebunden sind.
... dass eine Schiefergasbohrung so viel Wasser verbraucht wie ein 1.000-Megawatt-Kohlekraftwerk in zwölf Stunden oder ein Golfplatz in 25 Tagen?
... dass täglich durch Leckagen in veralteten Leitungssystemen 50 Milliarden Liter Frischwasser verloren gehen? Das ist so viel, wie 330 Millionen Europäer täglich verbrauchen.
Fonds im Fokus: UBS (Lux) Equity Fund – Global Innovators
Der Fonds UBS (Lux) Equity Fund – Global Innovators (EUR) P-acc (ISIN LU0130799603) investiert weltweit in Unternehmen, die in den Bereichen Klimawandel, Wasser und nachhaltige Entwicklung tätig sind. Innovatoren sind in der Regel kleinere und jüngere Unternehmen, deren Produkte und Dienstleistungen einen nachweisbaren Umweltnutzen und eine hohe Ressourceneffizienz bieten.