Oft sind jene Informationen, die es nicht in Form von Schlagzeilen auf die Titelblätter von Zeitungen schaffen, für die Geldanlage die wirklich wichtigen. Nicht die endlose Diskussion über den Schuldenschnitt Griechenlands, nicht der Verlust der AAA-Einstufung Österreichs durch eine Ratingagentur und auch nicht die zahlreichen Kommentare von Merkel & Co. waren für uns die wesentlichste Botschaft im ersten Monat des Jahres 2012. Es war vielmehr die Aussage von USNotenbank-Chef Ben Bernanke, „bis Ende 2014“ die Zinsen faktisch bei Null zu belassen. Eine bemerkenswert klare Festlegung. Ich kann mich an keinen historischen Fall erinnern, bei dem eine Notenbank eine derartige 3-Jahresaussage gewagt hat. Was kann die Motivation dafür sein? Was sind die Auswirkungen für die Geldanlage?
Noch weitere drei Jahre US-Zins von „Null“ Prozent!
- Die US-Notenbank geht offenbar davon aus, dass es sich um keinen normalen Konjunkturzyklus handelt, sondern das die US-Wirtschaft auch in den kommenden Jahren keine nachhaltige Dynamik entwickeln wird.
- In einem Null-Zins-Umfeld wird der US-Dollar wohl nicht strategisch zu anderen Weltwährungen aufwerten. Auf Sicht wollen die Amerikaner keine starke Währung.
- Man legt ein Inflationsziel von 2 % fest und redet die Inflationsrisiken klein. Zwischen den Zeilen sagt man aber auch: Und wenn die Inflation doch höher sein sollte, werden wir sie vorerst nicht bekämpfen. Zins minus Inflation – diese Rechnung ergibt also weiter ein Minus. Die negative Realrendite wird zum ständigen Begleiter. Wir haben wiederholt darauf hingewiesen.
- Die 3 Jahres-Festlegung bringt Planbarkeit für viele Marktteilnehmer. Vor allem für die US-Banken, die mit diesem billigen Geld motiviert werden, tief verzinste US-Staatsanleihen zu kaufen. Dies hilft beiden Beteiligten. Die USA müssen alleine in den Jahren 2012 und 2013 Staatsanleihen von etwa 2.300 Mrd. US-Dollar refinanzieren und brauchen Käufer. Und die Banken verdienen die Differenz zwischen dem Null-Zins und der eigentlich zu tiefen Rendite der US-Staatsanleihen.
Im Endeffekt ein langfristiges Bankensanierungsprogramm, allerdings ohne direkte Hilfe, die in der Öffentlichkeit womöglich kritisiert werden würde. „Zeitgewinn bleibt die Strategie der Notenbanken“ – wir erinnern an eine unserer Leitplanken im Jahresausblick 2012.
- Als Anleger nehmen wir mit: Tiefe Zinsen machen grundsätzlich andere Asset-Klassen attraktiv, vor allem Anleihen solider Unternehmen, aber auch substanz- und vor allem dividendenstarke Aktien.
Der Konjunkturcrash kommt nicht und es wird ein gewisser Gewöhnungseffekt, was die Berichterstattung über die Staatsschulden betrifft, eintreten. Auch darauf haben wir vor einem Monat klar hingewiesen. Die Märke werden gelassener – ein gutes und ein richtiges Zeichen. Panik ist ohnehin nie ein guter Ratgeber.
Auf der anderen Seite dürfen wir, geprägt von den Tagesaktualitäten, aber auch den Blick Richtung Horizont nicht verlieren. Nachfolgende Grafik zeigt die Bilanzsummenentwicklung von EZB, FED, Bank of England und Bank of Japan. Der Trend wird sich fortsetzen, wir werden weitere Gelddruckaktivitäten sehen. Betrachten Sie bitte dazu die Entwicklung der Ersatzwährung Gold. Dies ist der Grund, warum wir nach wie vor Gold beimischen. Es ist für uns die mit Abstand wichtigste Grafik zur Beurteilung, ob Gold billig oder teuer ist.
Entwicklung der Notenbankbilanzen im Vergleich mit Gold
Wir kritisieren diese Notenbankaktivitäten nicht, wir nehmen sie lediglich interessiert zur Kenntnis. Wer die Notenbanken kritisiert, muss vorher einen besseren Lösungsvorschlag präsentieren…
Im Gegensatz zu Ben Bernanke machen wir aber keine 3 Jahres-Prognose. Wir sagen lediglich, aktuell ist das Kapitalmarktumfeld freundlich, diese Chancen gilt es wahrzunehmen. Echte Lösungen der Schuldenkrise sehen aber anders aus, daher gilt es auch wachsam und flexibel zu bleiben.
In jedem Fall bleiben aber solide Unternehmensanleihen, Sachwerte und substanzstarke defensive Aktien unsere Kernempfehlung.