FONDSNACHRICHTEN:

15.06.2010, 10:04 Uhr

Schwacher Euro trifft Konsumkraft in Asien
Die europäischen Märkte sind aufgrund der Schuldenkrise in Griechenland und einer möglichen Ansteckung weiterer Euroländer stark unter Druck geraten. Gleichzeitig verzeichnen die Märkte in Asien eine höhere Volatilität. Die Meinung von David MacKenzie, Produktmanager für asiatische Aktien ex-Japan bei Schroders, finden Sie hier:


David MacKenzie, Produktmanager für asiatische Aktien ex-Japan bei Schroders, geht aber davon aus, dass die Schuldenkrise in Griechenland nur in geringer Korrelation zu der Dynamik ist, die den Konsum und das Wachstum in Asien bestimmt.

Schwacher Euro trifft die Konsumkraft in Asien
Von David MacKenzie, Produktmanager für asiatische Aktien ex-Japan

Die europäischen Märkte sind aufgrund der Schuldenkrise in Griechenland und einer möglichen Ansteckung weiterer Euroländer stark unter Druck geraten. Gleichzeitig verzeichnen die Märkte in Asien eine höhere Volatilität. Wir gehen aber davon aus, dass die Schuldenkrise in Griechenland nur in geringer Korrelation zu der Dynamik steht, die den Konsum und das Wachstum in Asien bestimmt ist. Klar ist allerdings, dass eine Schwächung des Euros die Wettbewerbsfähigkeit asiatischer Produkte mindert. Außerdem wird es für asiatische Unternehmen – mit ihren ohnehin knappen Margen – dadurch schwerer, ihre Produkte im Euroraum zu verkaufen. Und zu guter Letzt wirkt sich der Verlust der Kaufkraft von Konsumenten und Unternehmen in der Eurozone negativ auf die Konsumkraft in Asien aus.

Exporteure und asiatische Unternehmen mit großen Einnahmequellen in Europa gehören zu den Gruppen, die am stärksten davon betroffen sind. Auf mittelfristige Sicht werden die Schuldenprobleme in der Eurozone aber auch das Wirtschaftswachstum in Asien bremsen. In China beispielsweise basieren 25 Prozent des Wirtschaftswachstums auf Exporten, 20 Prozent davon nach Europa. Sollte diese Nachfrage aufgrund der Schwäche Europas um 20 Prozent zurückgehen, könnte sich das chinesische BIP-Wachstum dadurch um 0,5 Prozent verringern. Größer wären die Folgen natürlich für die Stimmung unter den Investoren, da in unsicheren Zeiten riskante Anlageklassen häufig verkauft werden.

Eine andere alte Zivilisation, gegenteilige Probleme

In einem Versuch, die Spekulationsblase in China unter Kontrolle zu bekommen, leitete die chinesische Regierung neue Maßnahmen zur Straffung des inländischen Immobilienmarktes ein. Dieser Schritt zielte darauf ab, die spekulative Nachfrage im Immobilienmarkt zu begrenzen. Die Maßnahmen beinhalteten unter anderem eine Erhöhung des Anzahlungsprozentsatzes und der Hypothekenrate für Investitions- und Spekulationskäufe.

Bauträger für erstklassige Immobilien sind gut aufgestellt, da sie das Kapital bereits in der Frühphase des Zyklus aufgebracht haben. Die Immobilienpreise in Großstädten sind ebenso wie die Transaktionsvolumina deutlich zurückgegangen. Doch am stärksten betroffen war der Sektor der drittklassigen Immobilien. Die anhaltende Unsicherheit bezüglich der zukünftigen Zinsentwicklung und andere Straffungsmaßnahmen wirken sich weiter negativ auf die Stimmung an den Märkten aus. Auch wenn wir vor politischem Gegenwind in China, besonders in der Immobilienbranche, gewarnt haben, so ist das Ausmaß der jüngsten politischen Maßnahmen doch ernster als erwartet. Daher gehen wir davon aus, dass der Markt einige Zeit braucht, um die Maßnahmen zu verarbeiten und sich wieder zu erholen.

Entsprechend dürfte die Stimmung weiter anfällig bleiben. Trotz allem sind wir der Ansicht, dass die Straffungsmaßnahmen für die mittelfristige Wirtschaftsentwicklung Chinas positiv sind. Denn die Behörden sind bemüht, Inflationserwartungen und überschüssige Liquidität zu zügeln, um der Wirtschaft auf weitere Sicht eine Bauchlandung zu ersparen.

Kurzfristig könnte diese Politik jedoch das Transaktionsvolumen reduzieren und folglich die Investitionen in Sachanlagen verlangsamen. Wir gehen davon aus, dass China neun Prozent seines BIP 2010 auf Grundlage eines besseren Konsumwachstums erzielen wird. Außerdem dürften sich die Unternehmensgewinne weiterhin verbessern – um etwa 20 Prozent gegenüber dem Niveau von 2009.

Zu den attraktiven Anlagemöglichkeiten zählen inländische Titel und beispielsweise die Konsumgüterbranche, die nicht nur stabiles und transparentes Gewinnwachstum bietet, sondern auch Beteiligung an den großen Wachstumstrends des Landes. Die Schwerpunktverlagerung von Investitionen hin zu inländischen Konsumgütern ist nicht nur ein langfristiger Entwicklungstrend, sondern einer der wichtigsten Punkte auf der politischen Agenda 2010.

Die Lage in Thailand entspannt sich

Die Lage im Süden Thailands hat sich in jüngster Vergangenheit etwas beruhigt. Doch es besteht immer noch die Gefahr, dass das Land geteilt bleibt. Angesichts der unbestimmten Nachfolgeplanung für den Regenten sollten sich Anleger auf weitere politische Unsicherheit einstellen. Auch bei den jüngsten Unruhen im Norden spielen zwei Parteien die Hauptrolle.  Aus unserer Sicht sind die schlimmsten Unruhen fast vorüber, wobei der Markt aber noch einige Zeit nervös bleiben wird.

In Korea bleibt die Situation auch noch angespannt, allerdings entwickelt sich die Lage in Südkorea angesichts des nachgebenden Won eher zu einem Währungsproblem. Das hat dazu geführt, dass Exporttitel besser abschneiden als inländische Titel. Auf der anderen Seite haben Wohnungsbaufirmen und andere Konsumgütertitel durch den Stimmungs- und Vertrauensverlust gelitten.

Unserer Ansicht nach ist ein Krieg in Korea unwahrscheinlich – hauptsächlich deshalb, weil China hier keine Unterstützung leistet. Die jüngsten Aktionen haben aber dazu beigetragen, die Macht von Kim Jong Il weiter zu festigen. Wir gehen nicht davon aus, dass er zu irrational handeln wird aber die Spannungen noch eine ganze Zeit anhalten werden. Deshalb werden einige interessante Kaufchancen vermutlich zunichte gemacht werden, aber im Moment haben wir auch keine allzu große Eile dort zu investieren.




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